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San Carlos
Exotik pur - Nürnbergs kleinste Partnerstadt
ist in mancherlei Hinsicht am Weitesten entfernt.
Foto: Esteban Cuya
Ob man die bunt gestrichenen Häuser neben den Wellblechhütten in exotischem
Ambiente sieht, dahinter einen schier atemberaubenden Sonnenuntergang,
oder Nürnbergs kleinste Partnerstadt als "verrottet, dreckig,
frech, scheckig" und "rasch zusammengehauene Kulisse für
einen Billig-Western" wahrnimmt, wie ein Autorenteam des Dumont-Verlages,
der die Ambivalenz des lateinamerikanischen Ortes als spannend und
vielschichtig akzeptiert, ist Ansichtssache. Unvergesslich ist der
Besuch von San Carlos auf jeden Fall. Und das hat nur zu einem kleinen
Teil mit der traumhaften Lage des Ortes zu tun, der sich an der Stelle
befindet, wo der große Nicaragua-See sich zum Rio San Juan verengt
und eine Bootsfahrt flußabwärts nach wenigen Stunden zum Ausflug in
einen von Affen und Papageien bevölkerten Urwald wird. Eine Nürnberger
Bürgerinitiative fand sich 1984 zusammen, um eine Partnerschaft mit
einer Stadt im damals von einem Bürgerkrieg erschütterten Nicaragua
anzustreben. Auch der Versuch, sich mit der Armut im Süden der Weltkugel
und dem Reichtum des Nordens auseinanderzusetzen, stand hinter den
Bemühungen. Bei der im Jahr darauf zwischen Nürnberg und San Carlos
geschlossenen Städtepartnerschaft geschlossenen Städtepartnerschaft
stand denn auch der Wille, ein klein wenig vom hiesigen Reichtum in
jenen armen Winkel der Welt fließen zu lassen, im Vordergrund. Engagierte
Nürnberger, vorwiegend junge Leute, reisen zu den Sancarleños um beim
Aufbau - und das ist durchaus im wörtlichen Sinn zu verstehen - etwa
von Kindergärten und Schulen mitanzupacken. Herzliche Begegnungen
zwischen Franken und der überwiegend aus Mestizen, Mischlingen zwischen
Weißen und Indios, bestehenden Bevölkerung von San Carlos sind entstanden.
Und wenn nicaraguanische Gäste nach Nürnberg kommen, wird gemeinsam
exotisch gekocht, musiziert und die Nacht zum Tag gemacht. Das begehrteste
Mitbringsel ist dabei nicht der hervorragende nicaraguanische Rum,
sondern die Anleitung, sich auf eine ganz bestimmte Art zu bewegen
- nämlich mit den aufregend heißen Tanzschritten von Salsa und Merengue.
Foto: Esteban Cuya
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